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HR-Tech zwischen starker Gegenwart und vorsichtigerer Zukunft

Die HR-Tech-Branche im deutschsprachigen Raum zeigt sich im Frühjahr 2026 in einer interessanten Doppelrolle: Die aktuelle Geschäftslage wird so positiv bewertet wie selten zuvor, gleichzeitig sind die Erwartungen für die kommenden Monate spürbar gedämpft. Dies sind die zentralen Ergebnisse der aktuellen Konjunkturbefragung im Frühjahr 2026.


Geschäftslage und -erwartungen

Drei Viertel der HR-Softwareanbieter bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ oder „sehr gut“ - der höchste Wert seit dem Frühjahr 2024. Der Geschäftslage-Index steigt entsprechend deutlich von 62,5 auf 71,9 Punkte. Gleichzeitig trüben sich die Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate ein. Während im Herbst noch jedes zweite Unternehmen eine Verbesserung erwartete, sind es jetzt nur noch 44 Prozent. Der Index der Geschäftserwartungen sinkt entsprechend von 50,0 auf 40,7 Punkte.

Insgesamt bleibt der Geschäftsklima-Index bei 56,3 Punkten konstant gegenüber dem Herbst 2025. Die scheinbare Stabilität auf der Indexebene täuscht jedoch über eine Verschiebung im Stimmungsbild hinweg: Die Branche genießt eine starke Gegenwart, blickt aber abgeklärter in die nächsten Monate. Bemerkenswert: Drei Viertel der Anbieter erwarten, dass sich ihre Geschäftsentwicklung besser darstellt als die gesamtwirtschaftliche Entwicklung - kein einziger erwartet eine schlechtere Entwicklung als die Gesamtwirtschaft.


Robuste Auftrags- und Umsatzentwicklung

Die operative Lage bleibt robust. 44 Prozent der Anbieter berichten von höheren Auftragsbeständen als im Vorjahr. Allerdings bewerten 31 Prozent den aktuellen Auftragsbestand als zu niedrig - etwas mehr als noch im Frühjahr 2025.

Beim Umsatz zeigt sich die Branche weiter wachstumsstark: 68 Prozent haben im ersten Quartal 2026 ein Wachstum von mehr als 5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal erreicht, ein Viertel sogar mehr als 20 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 rechnen 81 Prozent mit Wachstum, mehr als die Hälfte sogar mit zweistelligen Zuwächsen. Kein einziger Anbieter geht von rückläufigen Umsätzen aus. Zugleich haben 61 Prozent für 2026 bereits Preisanpassungen vorgenommen oder geplant - vor allem bei SaaS-Gebühren und Dienstleistungspreisen.


Two-Speed-Markt: Integration zahlt sich aus

Die Konjunkturbefragung zeigt eine deutliche Spreizung der Wachstumserwartungen nach Anbieter-Portfolioschwerpunkt. Integrierte HR-Lösungsanbieter - also Anbieter mit einer breiten Suite über mehrere HR-Anwendungsbereiche hinweg - erweisen sich als die wachstumsstärkste Kategorie: 67 Prozent rechnen mit einem Umsatzplus von mehr als 10 Prozent für 2026, und kein einziger integrierter Anbieter erwartet ein Nullwachstum oder rückläufige Umsätze. Bei den spezialisierten HR-Lösungen (Point Solutions) sind die Erwartungen breiter gestreut: 55 Prozent rechnen mit zweistelligem Wachstum, aber 9 Prozent erwarten Nullwachstum. Bei reinen Payroll-Anbietern liegt der Anteil derjenigen, die mit Nullwachstum rechnen, sogar bei 20 Prozent.

Hinter dieser Asymmetrie stehen zwei Konsolidierungsbewegungen, die sich gegenseitig verstärken. Zum einen die Konsolidierung auf Anbieterseite - etablierte Suite-Anbieter bauen ihre Plattformen über aggressive Akquisitionen aus und decken zunehmend mehr HR-Funktionalitäten ab. Zum anderen die Konsolidierung der HR-Tech-Budgets auf Kundenseite - Unternehmen reduzieren die Anzahl ihrer HR-Software-Anbieter und bevorzugen integrierte Lösungen aus einer Hand. Punkt-Lösungen und Spezialanbieter müssen sich entsprechend stärker positionieren, um ihre Wachstumsdynamik zu halten.

„Die Befragung zeigt eine klare Zweiteilung des Marktes - auch ein Zeichen der aktuellen Zeit der Konsolidierung: Integrierte HR-Anbieter rechnen ausnahmslos mit Wachstum 2026, zwei Drittel davon sogar zweistellig. Bei den spezialisierten Punkt-Lösungen und Payroll-Anbietern erwartet hingegen jeder fünfte Anbieter ein Nullwachstum. Dabei hinterlassen sowohl die zunehmende Konsolidierung im Markt als auch die Konsolidierung der HR-Tech-Budgets bei den Kunden offenbar Spuren in der Wachstumserwartung." - Jens Bender, WorkTech Advisory

Im Fokus: KI verändert die Geschäftsmodelle

Erstmals wurde im Rahmen der Konjunkturbefragung dezidiert untersucht, wie Künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle der Anbieter selbst verändert. Das Ergebnis zeigt eine Branche in Bewegung - ohne dass ein neues dominantes Modell bereits etabliert wäre.

Per-Seat- beziehungsweise Per-User-Lizenzen bleiben mit 60 Prozent das dominante Pricing-Modell. Allerdings spürt rund ein Drittel der Anbieter spürbaren oder starken Druck auf dieses klassische Modell. Für die nächsten 24 Monate plant die deutliche Mehrheit eine Veränderung: 35 Prozent setzen auf eine Verschiebung in Richtung Consumption-basierter Modelle, 30 Prozent ergänzen ihr Pricing um eine separate KI- oder Agent-Gebühr. Nur jeder zehnte Anbieter rechnet damit, dass das eigene Pricing-Modell unverändert bleibt.

Das größte KI-bezogene Disruptionspotenzial sehen die Anbieter auf Platz 1 klar bei den etablierten HR-Tech-Plattformen - vorausgesetzt, sie verfolgen eine erfolgreiche und aggressive KI-Strategie. Betrachtet man jedoch die Summe der Nennungen auf den ersten beiden Plätzen, ergibt sich ein nuancierteres Bild: Hier rücken „Build statt Buy“-Eigenentwicklungen der Kunden und LLM-Plattformen wie Anthropic oder OpenAI in den Vordergrund. Die direkte Bedrohung durch Hyperscaler-LLMs wird also nicht als Hauptangriff gesehen, aber durchaus als ernsthafte zweite Welle wahrgenommen.

Auch bei den HR-Anwendungsbereichen zeigt sich ein klares Muster: KI-Agenten greifen primär in den content- und wissensintensiven Bereichen. Die größten Veränderungen durch KI-Agenten in den nächsten 24 Monaten erwarten die Anbieter in der Personalgewinnung und im Recruiting (68 Prozent sehen starke Veränderung oder substanzielle Substitution), im Corporate Learning (65 Prozent) und im Performance Management (52 Prozent). Die transaktionalen Backbone-Themen werden hingegen deutlich weniger als unmittelbare Substitutionskandidaten gesehen: Core HR (29 Prozent), Workforce Management (32 Prozent) und Employee Benefits (23 Prozent). KI verändert die Wertschöpfung also zunächst primär an der Oberfläche der HR-Prozesse - und (noch) nicht im Maschinenraum.

„Nach aktueller Einschätzung werden HR-Lösungen, die stark regulierte, integrierte und business-kritische HR-Prozesse mit Mitarbeiterdaten abdecken, zunächst weniger stark von KI verdrängt. Zugleich ist aber davon auszugehen, dass durch KI in Zukunft gerade neben diesen „Systems of Record“ an vielen Stellen neue, proprietäre und interessante Datenschätze - sogenannte Context Layer - in KI-basierten Lösungen oder in nicht HR-Systemen angedockt werden können, die auch HR-Kernprozesse massiv beeinflussen werden. KI ist Basis eines neuen Innovationszyklus, der vor keinem Use Case Halt machen wird." - Jens Bender, WorkTech Advisory

Markthemmnisse mit neuer Dimension

Bei den Markthemmnissen rücken globale und politische Themen deutlich nach oben. Wettbewerb, politische Rahmenbedingungen und globale Handels- und Wirtschaftsbeziehungen rangieren mit jeweils rund 52 Prozent gleichauf an der Spitze. Neu unter den Top-Hemmnissen ist die Kategorie „Verunsicherung durch KI bei Kunden“ - 45 Prozent der Anbieter spüren dies bereits als „stark“ oder „sehr stark“. Der Fachkräftemangel - über Jahre das dominante Hemmnis im HR-Tech-Markt - wird nur noch von 29 Prozent als starkes Hemmnis genannt und damit deutlich entspannter eingeschätzt als in allen vorherigen Befragungen.


Investitionen bleiben hoch, beim Personal wird selektiver eingestellt

Die HR-Softwareanbieter investieren weiter kräftig in die Zukunft: 68 Prozent erhöhen ihre Investitionen 2026 gegenüber dem Vorjahr, kein einziger reduziert sie. Anders sieht es beim Personalbestand aus: 52 Prozent planen einen Personalaufbau, aber 16 Prozent rechnen 2026 mit Personalabbau. Damit ist die Personalentwicklung deutlich gedämpfter als noch in den Vorjahren - ein Anzeichen dafür, dass die Branche im Zeitalter der KI selektiver mit ihrem Wachstum umgeht.


Fazit

Der HR-Tech-Markt zeigt sich im Frühjahr 2026 in solider Verfassung - und gleichzeitig abgeklärter, was die nächsten Monate angeht. Die Branche wächst weiter, investiert kräftig in die Zukunft und sortiert sich neu, wie sie ihre Geschäftsmodelle in der KI-Ära ausrichtet. Bemerkenswert ist dabei die Asymmetrie der heutigen KI-Veränderung: Content- und wissensintensive Bereiche stehen im Zentrum der Substitutionsdebatte, regulierte Kernprozesse mit Mitarbeiterdaten zunächst weniger. Doch dies dürfte ein Zwischenstand sein - denn KI ist nicht nur eine Feature-Erweiterung der bestehenden Systeme, sondern die Basis eines neuen Innovationszyklus, der mittel- bis langfristig vor keinem Use Case Halt machen wird.


Den kostenlosen Ergebnisbericht der aktuellen Konjunkturbefragung Frühjahr 2026 können Sie unter info@worktech-advisory.com anfordern.

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